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Pilot MR Füller (Retro Pop & Animal Collection)

Der MR-Füller von Pilot ist ein absoluter Klassiker unter den Alltagsfüllern. Wenn Menschen beginnen, sich für das Schreiben mit Füller zu interessieren und sich nach geeigneten Einstiegs-Schreibgeräten erkundigen, so ist der Pilot MR wohl gemeinsam mit dem Lamy Safari unter den Top-Empfehlungen, die man so einer Person geben würde. Schon alleine deswegen gehört eine Vorstellung dieses Füllfederhalters unbedingt zur Pflichtübung.

Mit zwischen 15 und 20 € sprengen sowohl der Lamy Safari als auch der Pilot MR definitiv nicht den Geldbeutel. Hier wird es nun wie gesagt um den Pilot MR gehen, den es in Deutschland derzeit in zwei unterschiedlichen Grunddesigns gibt: die Retro Pop-Kollektion sowie die Animal- bzw- Exoten-Kollektion. In beiden Produktlinien gibt es verschiedene Ausführungen des Füllers. Ich stelle hier jeweils eine Version vor.

Die Retro Pop-Kollektion, wie der Name schon sagt, ist im Vintage-Stil gehalten. Der Füller ist hier in verschiedenen Farben erhältlich (violett, orange, hellblau, grau, rot und hellgrün) – jede Farbe hat ein je spezifisches Retro-Designmuster (Punkte, Wellen, Marmorierung, usw.). Mehr dazu gleich in der näheren Besprechung der Schreibgeräte.

Die Animal- bzw- Exoten-Kollektion ist prinzipiell das exakt gleiche Schreibgerät. Auch diesen Füller gibt es in unterschiedlichen Farben – was beim Retro-Pop allerdings Vintage-Muster sind, sind in der Exoten-Kollektion Tiermuster. Erhältlich ist Tiger, Eidechse, Phyton, Krokodil und Leopard.

Sehen wir uns die Füller also einmal genauer an.

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Was zunächst auffällt, ist die für einen Füller in diesem doch sehr niedrigen Preissegment sehr hochwertige Verpackung. Sowohl Retro Pop- als auch Animal Collection-Füller kommen in einer sehr stabilen Metallbox, die sich auch nach Entnahme der Stifte hervorragend als Box für Buntstifte oder ähnliches weiter verwenden lässt. Die obere Box der Animal Collection ist ein Schuber, die untere Box der Retro Pop Linie ist eine Klappbox. 

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Öffnet man die Boxen und entnimmt die Füller, so findet man diese in eine Plastikhülse eingeschoben. Auf dieser stehen Modellnummer und Typ sowie die Federstärke – hier M (“Pilot -M- DIN”), die einzige in Deutschland verfügbare Federstärke. Und damit sind wir auch schon beim ersten Spezifikum des Füllers, welches es zu beachten gibt: Wie man sieht, habe ich auf der Plastikhülle noch einen weiteren Aufkleber geklebt, auf dem sich die Angabe “F” befindet. Dieser Aufkleber war direkt am Stift angebracht. Ich bin mir nicht sicher, wo, wie und wann diese unterschiedlichen Aufkleber angebracht werden – letztlich bin ich mir jedoch (fast) sicher, dass diese mit einem wichtigen Detail zu tun haben: 

Pilot ist ein japanischer Hersteller. Asiatische Federn sind im Allgemeinen doch deutlich feiner als europäische Federn. Sprich: Eine japanische M-Feder kommt einer europäischen F-Feder in etwa nahe. Das ist so nicht ganz exakt richtig, aber als erste Orientierung kann man es so stehen lassen. Mehr dazu auch noch unten in einer kurzen Schriftprobe. In jedem Fall erkläre ich mir die unterschiedlichen Aufkleber so, dass der Füller, der auf dem asiatischen Markt eben ein Standard M ist, in unseren Breiten als eher als gutes F gilt. All das liegt nicht zuletzt an den bspw. japanischen Schriftzeichen, die in der Notierung eben eine filigranere Feder brauchen als das lateinische Alphabet. 

Um das Ganze nochmals auf den Punkt zu bringen: Der Pilot MR wird zwar mit einer M-Feder verkauft, schreibt aber sehr fein :-). 

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Nehmen wir meine beiden Füller hier also aus den Verpackungen: Ich habe den Retro Pop in einem wunderschönen Orange (welches für mich eher in Richtung Gold geht). Den Füller aus der Animal Collection habe ich in Weiss vorliegen. Beide Füller haben eine sehr klassische Zigarrenform, wie sie bei vielen Füllern zu finden ist, sind aus Messing gefertigt und haben daher ein sehr schönes Gewicht, was ich persönlich als angenehm empfinde. Ich mag Schreibgeräte, die eher schwerer sind. Der MR ist beispielsweise deutlich schwerer als der Lamy Safari. 

Beiden Füllern war je eine Tintenpatrone mit blauer Schreibtinte beigelegt. Die Größe ist das normale “international Standard Cartridge”. Somit passen die gängigen kurzen Patronen. Es kann aber natürlich auch über Konverter betankt werden, womit einem die Welt der Gläschen-Tinten offensteht. Ein Konverter muss extra gekauft werden, so man keinen zu Hause hat, der passt. 

Bevor ich auf Details der Schreibgeräte eingehe, zunächst ein kurzer Größenvergleich zum “Konkurrenten” im Einsteigersegment, dem Lamy Safari. 

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Legt man die Schreibgeräte geschlossen nebeneinander – der Lamy Safari hier in weiss in der Mitte – fällt kein signifikanter Größenunterschied auf. Der MR ist ein wenig kürzer und die Linie durch die zulaufende Zigarrenform etwas schlanker. Die Verschlusskappe des MR ist kürzer als die des Safari. 

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Nimmt man die Kappe ab, so ergibt sich ein ähnliches Bild: Der MR ist etwas schlanker und kürzer. Ein deutlicherer Unterschied besteht dann wieder im Griffstück (das, was eben oben von der Kappe verdeckt war), welches beim Pilot deutlich kürzer ist als beim Safari. Mich stört das nicht. Ich kann den MR sehr gut greifen – trotz großer Hände. Wer seine Füller sehr weit oben greift, könnte damit Schwierigkeiten haben. 

Zudem hat der MR ein rundes Griffstück. Im Gegensatz zum Safari, der eine ‘dreiecksgeformte’ Griffmulde hat, die Einsteigern die ‘richtige’ Stifthaltung erleichtern soll. Ich persönlich bin mir nicht sicher, wie viel Sinn das ergibt, da sich Füllfedern durchaus etwas der Schreibhaltung des Besitzers anpassen (weswegen man Füller ja auch nicht unbedingt an andere Personen ausleihen sollte – Füller sind ein sehr persönliches Schreibgerät), aber das ist meine Meinung. Letztlich ist der MR sehr gut zu greifen. Das Griffstück ist – im Gegensatz zum Korpus – aus Kunststoff. Ich bin auf diesem jedoch zu keiner Zeit mit den Fingern gerutscht. Dabei hilft auch, dass das Griffstück zur Feder hin etwas breiter ausläuft. 

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Der bemerkenswerteste Größenunterschied ist in der ‘geposteten’ Zusammenstellung zu erkennen – wenn mal also die Kappe hinten aufsetzt, um den Stift des komfortableren Greifens wegen zu verlängern. Hier ist der Safari dann doch deutlich länger als der MR. 

Der MR postet sicher, die Kappe sitzt gut und wackelt nicht. Im Gegensatz zum Safari (sehr leichte Plastikkappe) wird mir der MR gepostet aber doch etwas schwer nach hinten. Ich schreibe ihn deshalb lieber ungepostet, was super geht (mehr dazu weiter unten).

Schauen wir uns ein paar Details des MR an: 

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Wie der gesamte Füller, so ist auch die Kappe des MR sehr hochwertig gearbeitet. Auf der Rückseite der Kappe steht jeweils – bei der Retro Pop- und der Animal-Kollektion – “PILOT JAPAN”. 

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Die Verschlusskappe hat eine, wie ich finde, wunderschöne zeitlose Form. Der Clip hat oben auf beiden Seiten eine Prägung: Auf der einen Seite wieder “Pilot”, auf der anderen Seite “Japan”. Der Clip selbst federt etwas schwer, sitzt also sehr eng. Dennoch kann man diesen problemlos an die Tasche eines Hemdes anheften.

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Wie man hier nun an den Bauchbinden-Designelementen deutlich sieht, habe ich den MR aus der Animal Collection in der Ausführung “White Tiger”. Was hier also Tigermuster ist, ist bei den anderen Ausführungen dann eben Leopardenmuster, usw. Der orangene Retro Pop hat als Bauchbinde ein Blumenmuster. Die anderen Farben haben dann andere Muster. Die Bauchbinden sind fest mit dem Korpus verarbeitet – sie bewegen oder drehen sich also nicht.  

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Mit aufgesetzter Kappe ist hier ganz gut zu erkennen, das der silberne Zierring, der den Abschluss des Griffstücks bildet, bei der hier vorliegenden Animal Collection einen Tick breiter ist, als jener des Retro Pop. Hier ist auch zu sehen, dass die Clips ganz unten als Detail noch jeweils Riefen haben.

Bei genauem Hinschauen auf dem Foto kann man noch einen Unterschied mit dem Auge erkennen, der noch deutlicher zu fühlen ist: Der Korpus des Retro Pop ist pulverbeschichtet oder ähnliches – fühlt sich also leicht aufgerauht an. Dies im Gegensatz zum sehr glatt-lackierten Korpus des weissen Füller aus der Animal Collection. Mir gefällt das leicht Aufgerauhte vom Anfassen her besser, aber das ist sicher Geschmacksache.

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Hier nun die M-Feder (die aber, wie gesagt, sehr fein schreibt) des orangenen Retro Pop – in meinem Falle hier beladen mit Kaweco Palm Green aus dem Konverter. Die Feder selbst ist einigermaßen unspektakulär. Ein paar Linien als Zierde sowie die Angabe von Hersteller und Federstärke. Schlicht und einfach gehalten.  

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Wie oben schon angedeutet: Trotz recht großer Hände kann ich den MR auch ohne Verlängerung durch die Kappe sehr bequem auch über längere Schreibsitzungen hinweg halten. Was man auf diesem Foto auch sieht, ist das Problem, welches entstehen kann, wenn man recht weit oben greift: man hält den Füller am Übergang von Korpus zu Griffstück. Dieser Übergang ist recht steil. Das kann also auf Dauer eventuell unangenehm sein. In meinem Fall ist die für mich hier etwas seltsame Art des Greifens letztlich dem Umstand geschuldet, dass ich den Füller für das Foto halte und dies wohl nicht meine natürliche Schreibhaltung ist. Zum Schreiben würde ich dann wohl nach unten nachgreifen, denn so wie auf dem Bild halte ich den Füller beim Schreiben definitiv nicht :-).

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Gepostet ist der MR dann entsprechend länger. Das Bild soll dem Leser den Vergleich illustrieren – mir selbst ist der Füller so nach hinten zu schwer.

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Im Schreibtest ist nun – im Vergleich zum Lamy Safari – auch direkt zu sehen, wovon ich weiter oben in Hinblick auf die Federstärken bereits sprach: Die japanische M-Feder des Pilot MR schreibt sogar noch feiner als die deutsche F-Feder des Lamy Safari. 

Vom Schreibgefühl und Tintenfluss her ist der MR für diese Preisklasse ein Traum an Füllfederhalter. Die Feder schreibt sehr weich (wenngleich ich die des Lamy Safari noch als einen Ticken weicher empfinde) und gleitet förmlich über das Papier. Und das gilt für einfaches Kopierpapier wie für hochwertige Notizbücher wie etwa jene von Leuchtturm. Der Tintenfluss des MR ist super. Die Feder schreibt nicht sonderlich nass, was mir als Linkshänder sehr wichtig ist, denn sehr nasse Federn bedeuten natürlich auch eher Verschmieren. In Kombination mit der sehr feinen Feder (sprich: weniger Tintenauftrag), halte ich diesen Füller daher gerade für Linkshänder als besonders geeignet.

Fazit:

Der Pilot MR ist ein für diese sehr günstige Preisklasse ein extrem guter Füller. Man kann mit einem Kauf eigentlich nicht viel falsch machen. Es besteht eine breite Auswahl an Farben und Designs, der Füller liegt angenehm schwer in der Hand und ist absolut spitze verarbeitet. Er hat ein zeitlos-klassisches Design und ist damit für die unterschiedlichsten Settings geeignet. ‘Businesstauglich’ ist er wohl nicht, dafür sind die Farben und Designs (je nach Branche) vielleicht zu knallig. Die sehr weich aber nicht zu nass schreibende sehr feine Feder macht das Schreibgerät aus meiner Sicht zu einem idealen Linkshänderfüller. Natürlich darf der MR aber auch von Rechtshändern gekauft werden :-). 

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